Rundgang durch die nördliche Neustadt

„Quartier im Wandel“ – Ein Rundgang durch die nördliche Neustadt

eingetragen in: Aktuelles
Ein Blogbeitrag von Erik Donner.
Die nördliche Neustadt verändert sich. Als ich vor ziemlich genau zehn Jahren in die Neustadt gezogen bin, war irgendwie alles jenseits der Goethestraße verrufen, jedenfalls nicht so „hip“ wie der Rest der Neustadt. Das ändert sich gerade enorm. Und dank einer klugen politischen Steuerung droht keine Verdrängung wie wir sie hin und wieder woanders in der Neustadt schon gesehen haben.

Am vergangenen Freitag, den 5. April lud die Neustadt-SPD unter dem Titel „Quartier im Wandel“ zu einem Rundgang ein, bei dem ich knapp 35 Interessierte durch „mein“ Quartier (ich wohne dort seit knapp zwei Jahren wieder) geführt habe. Mit dabei waren u.a. auch unser Ortsvorsteher Johannes Klomann und unsere Mainzer Juso-Vorsitzende Jana Schneiß.

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Der Bismarckplatz.

Bismarckplatz

Startpunkt war der Bismarckplatz. Dieser Platz wurde im vergangenen Jahr in knapp vier Monaten Bauzeit vom „Angstplatz“, über den man möglichst schnell ging, zu einem tollen Platz, auf dem man jetzt auch gern mal sich hinsetzt und verweilt. Er ist deutlich übersichtlicher geworden, man kann ihn von fast allen Stellen einsehen und durch das helle Pflaster wirkt er auch deutlich freundlicher. Realisiert wurde diese Baumaßnahme (Kostenpunkt 550.000 Euro) aus Mitteln der „Sozialen Stadt“. Bei allen Projekten der „Sozialen Stadt“ ist eine Bürgerbeteiligung obligatorisch und dort wurde beispielsweise eingefordert, dass der Bubenbrunnen auf dem Platz unbedingt erhalten werden soll – was auch geschah.

Das Areal der alten Kommissbrotbäckerei.

Kommissbrotbäckerei

Entlang der Richard-Wagner-Straße, an der Liebfrauengemeinde vorbei ging es zur Kommissbrotbäckerei. Schon seit etwa 30 Jahren arbeiten verschiedene Akteure im Stadtteil (und darüber hinaus) daran, dass dort ein Stätte für Kunst, Kultur und vieles mehr entsteht. Und auch dieses Generationenprojekt wird hoffentlich demnächst realisiert. Denn: Die Mainzer Wohnbau wird in diesen Tagen dieses Areal kaufen und dort zum einen ca. 150 bezahlbare Wohnungen bauen (davon ein Drittel sozial gefördert) und zum anderen viel Platz für ein soziokulturelles Zentrum schaffen. Es wird also ein neues Kunst-, Kultur- und Stadtteilzentrum mit dem Namen „Kulturbäckerei“ entstehen.
Um die Trägerschaft dieses soziokulturellen Zentrums bemüht sich der Verein Kulturbäckerei e.V.. Es geht darum, die Räume entsprechend aufzuteilen, Nutzungskonzepte zu erarbeiten, Nutzerinnen und Nutzer zu finden, Kooperationspartner und Geldgeber anzusprechen und vieles mehr.
Bis 2023 sollen die Baumaßnahmen beendet sein, sodass es dann dort mit Kultur und Wohnen losgehen kann.

Die Baustelle des neuen Quartiersplatzes.

Neuer Quartiersplatz

Weiter ging es durch die Wallaustraße in Richtung Emausweg. Dort, leicht erhöht, hatte man einen guten Blick auf die Baugrube, auf der zum einen die Mainzer Wohnbau 155 neue, bezahlbare Wohnungen (davon 40 Prozent sozial gefördert) bauen und zum anderen der neue Quartiersplatz entstehen wird. In der Kommunalpolitik sprechen wir häufig bei diesem Gebiet nur über „N87“ – so heißt nämlich der Bebauungsplan.
Durch kluge Planung ist es es bei dem neuen Quartiersplatz gelungen, die baulichen Anforderungen wie Feuerwehrzufahrt mit viel Grünfläche, einigen Bäumen, einem Wasserspiel, ausreichend Sitzgelegenheiten usw. zu verbinden.
Nach dem Willen des früheren Stadtbaumeisters Eduard Kreyßig soll der Platz später einmal Beethovenplatz heißen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir diesen Platz, der ja eigentlich aus zwei Plätzen besteht, auch noch um einen Clara-Schumann-Platz ergänzen

Quartier zwischen Sömmerring- und Kreyßigstraße

Der nächste Weg führte uns über die Sömmerringstraße hinweg in das Quartier zwischen Sömmerring- und Kreyßigstraße. Dort stehen mehrere Wohnblöcke, die auch alle der Mainzer Wohnbau gehören.
Hier möchte ich kurz einschieben: Ich bin froh, dass wir mit der Wohnbau eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft haben, die dafür sorgt, dass auch in der Innenstadt noch Menschen mit kleinem und mittlerem Geldbeutel leben können.
Dieses Quartier, das nach dem zweiten Weltkrieg schnell „hochgezogen“ wurde, zeichnet sich vor allen Dingen dadurch aus, dass es nicht so eng bebaut ist wie viele andere Ecken in der Neustadt. Hier ist viel Platz für Grünflächen und Bäume, fast wie ein kleiner Park.
Die Häuser dort werden nun in den nächsten Jahren nach und nach saniert. Und die Wohnbau beantragt für jede Wohnung auch eine öffentliche Förderung, sodass – Wohnberechtigungsschein vorausgesetzt – die Mieten bei 6,60 Euro bzw. 7,25 Euro pro Quadratmeter sein werden.

Parkplatz des Polizeipräsidiums

Auf dem Weg zur vorletzten Station ging es nun über die Kreyßigstraße zum Parkplatz des Polizeipräsidiums. Immer wieder haben wir versucht, diesen Parkplatz auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – zumindest nachts. Unser Ortsvorsteher Johannes Klomann hatte sogar den Innenminister in die Neustadt eingeladen und ihn auf die Problematik aufmerksam gemacht. Leider erfolglos: Die Polizei benötigt diesen Parkplatz für größere Einsatzlagen und für Notfälle.

Das mittlerweile bebaute Gelände der alten Feuerwache.

Alte Feuerwache

Zur finalen Station ging es dann auf das Gelände der alten Feuerwache zwischen Moltkestraße und Barbarossaring. Das Gelände wurde von der Stadt Mainz an einen Investor verkauft, der dort Eigentumswohnungen gebaut hat. Das Geld wurde von städtischer Seite benötigt, damit der Neubau der Feuerwache an der Rheinallee finanziert werden konnte.
Zum einen gab es ja am Anfang sehr starke Bedenken, dass das Areal dort zu eng bebaut wird – das ist zum Glück nicht eingetreten, sondern es gibt einen ziemlich großzügigen, öffentlich zugänglichen Innenhof.
Zum anderen finde ich es persönlich sehr positiv, dass dort auch eine Reihe von Familien sich eine Wohnung gekauft haben. Mindestens zwei Familien mit Kind, die dort wohnen (oder bald hinziehen werden) waren selbst beim Rundgang mit dabei. Und eine Anwohnerin berichtete uns, dass dort ziemlich viele Familien mit Kindern wohnen.
Zum Schluss haben wir noch einen Blick in Richtung Neustadtzentrum geworfen. Das befindet sich an der Goethestraße/Ecke Barbarossaring und ist momentan unser einziges Stadtteilzentrum. Ab Frühjahr 2020 wird das für etwas mehr als vier Millionen Euro saniert – auch das ist dringend notwendig.

Alles in allem ein toller Rundgang mit vielen interessierten Mitmenschen, bei dem man gesehen hat, dass die nördliche Neustadt sich in einem positiven Wandel befindet!